Kinderschutz-Zentrum in Hannover
Sichere Orte

Sichere Orte

Modellprojekt 2011 – „Sichere Orte für Kinder – Institutionelle Qualitätsentwicklung zur Prävention von und Intervention bei (sexualisierter) Gewalt gegen Mädchen und Jungen durch Mitarbeitende“

Der Zeitrahmen
Der Start für das mit Mitteln des Landes Niedersachsen maßgeblich finanzierten Projekts war September 2010. Es lief bis Dezember 2011 in Kooperation der Kinderschutz-Zentren Oldenburg und Hannover, federführend war das Kinderschutz-Zentrum in Hannover.

Die Ziele
Entwicklung und Verbesserung von Kinderschutz-Konzepten in Jugendhilfe-Einrichtungen zur Prävention von und Intervention bei sexuellen Übergriffen gegen Mädchen und Jungen.

Dazu wurden Träger in ihrer Struktur-Verantwortung unterstützt, Rolle und Haltung von Leitungskräften klar definiert , MitarbeiterInnen sensibilisiert und in ihrer Kompetenz bestärkt, Mädchen und Jungen waren beteiligt.

Die Projektmodule
  • Seminartag: Auftakt, Vorstellung des Qualitätsentwicklungsprozesses und der Personen, Stärken-Schwächen-Analyse der Einrichtung
  • Seminartag(e) mit Workshops mit den betroffenen Mädchen und Jungen
  • Workshoptage zur Qualifizierung auf MitarbeiterInnen-Ebene in Institutionen zum Thema
  • Coachingtermine: Begleitung und Coaching der Einrichtungsleitung zum Thema
  • Teambesprechungen/Beratungen: Begleitung und Fortschreibung der Geschäftsleitung und Trägerverantwortlichen

Folgende Ziele des Modulpakets lassen sich für die Einrichtung und den Träger zusammenfassen:
  • ein Qualitätsentwicklungsprozess innerhalb einer Einrichtung wird angestoßen
  • alle Ebenen sind sensibilisiert und informiert und
  • die Ergebnisse sind transparent und fortschreibbar dem verantwortlichen Träger aufbereitet

Das Team
Zum Team gehörten: Leitungen und MitarbeiterInnen KSZ Hannover und KSZ Oldenburg, Dr. Olaf Lobermeier von ProVal (Hannover) Christiane Wiede, freie Mitarbeiterin (Hannover)


Eine ausführliche Dokumentation der Projekt-Ergebnisse erhalten Sie hier.


Die Ausgangssituation
Gegenwärtig gibt es noch keine repräsentativen Zahlen zur Häufigkeit von sexuellen Übergriffen durch MitarbeiterInnen sowie Leitungskräfte gegenüber Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen und Organisationen der Kinder- und Jugendhilfe. Die Fachliteratur geht zu dem Thema von folgenden Realitäten aus:

  • Die Täter/innen sind zu 20 - 30 Prozent Frauen, zu 70 - 80 Prozent Männer, wobei Männer in der Regel mehrere Kinder missbrauchen, während es bei Frauen weniger sind, hier die Missbrauchsphasen jedoch länger dauern.

  • Die auffälligste Tätergruppe in Institutionen sind männliche Pädokriminelle, die gezielt z.B. im pädagogischen Bereich tätig werden, um dort am leichtesten Zugang zu ihren potentiellen Opfern zu haben und relativ unauffällig agieren können.

  • Opfer sind Mädchen und Jungen vermutlich nahezu gleichermaßen, wobei Mädchen im Alltag häufiger als Jungen sexistischen Kränkungen – auch durch Jungen in der Einrichtung – ausgesetzt sind. Aufgrund ihrer Vorerfahrung trifft es oft Kinder, die auch schon in der Vergangenheit Opfer sexueller Ausbeutung waren.

  • Je größer das Abhängigkeitsverhältnis von Mädchen und Jungen zum Betreuerpersonal ist – besonders in stationären Einrichtungen und Behinderteneinrichtungen - desto größer ist das Risiko sexueller Übergriffe.

  • Stereotype Strukturen und geschlossene Systeme, die Missbrauch fördernd sind, erhöhen die Gefahr sexueller Ausbeutung.

  • In der Mehrzahl der Fälle wurden die Taten innerhalb der Einrichtung – bewusst und unbewusst – von Leitung und Mitarbeiterschaft gedeckt.

  • Nach der Tat steht häufig ausschließlich das Opfer im Mittelpunkt aller – für das Opfer oft mehr belastenden – Interventionen.

(Friesa Fastie, freie Lehrbeauftrage aus Berlin, unter Hinzuziehung von praxisbezogener Basisliteratur. Vgl. „Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Institutionen. Umgang mit Fehlverhalten von Fachkräften in Einrichtungen der Erziehungshilfen, 2004 )

© Kinderschutz-Zentrum in Hannover 2016